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News


Schlechte Note der Industrie für die Einwanderungspolitik

15.04.2008 09:50


 

Die Industriellenvereinigung wünscht sich, dass aufgrund des Facharbeitermangels den Asylwerbern im Land der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert wird

Wien - Die heimische Konjunktur habe ihren Zenit überschritten, der Kampf um jeden Auftrag werde härter - und wie er ausgehe, entscheide von Fall zu Fall auch der Umgang des Unternehmens mit den Herausforderungen der Einwanderung, sagte am Donnerstag Veit Sorger, Präsident der Industriellenvereinigung (IV). So falle von den derzeit rund 50.000 offenen Stellen "ein Großteil in den Facharbeiterbereich". Facharbeiter aber gebe es wie berichtet im Inland derzeit nicht genug und ihre Anwerbung aus dem Ausland sei aufgrund restriktiver Regelungen nicht ausreichend möglich: Also werde es nicht zuletzt mit Versäumnissen der Migrationspolitik zu tun haben, "wenn Aufträge in Zukunft nicht angenommen werden können, weil qualifizierte Mitarbeiter fehlen", meinte Sorger und forderte zum bereits wiederholtem Mal ein Umdenken auf Seiten der Politik.

Kriterien statt Quoten

Der IV-Präsident schlug den Übergang von einem quotenbestimmten Zuwanderungssystem auf ein kriteriengeleitetes vor. Als Kriterien sollten Sprachkenntnisse, Ausbildung und Berufserfahrung herangezogen werden, auch "das Definieren zusätzlicher österreichspezifischer Voraussetzungen" sei möglich. Eine solche Änderung würde wohl auch die Einschätzung des Stands der Einwanderungspolitik unter Unternehmern bessern, die von der IV von jetzt ab halbjährlich anhand von 50 Befragungen gemessen wird. Der erste derartige Migration Mirror ergab auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 4 (sehr gut) die "Note" 1,7.

"Dequalifizierung" von Asylwerbern

Schwer verständlich sei auch, dass der "Dequalifizierung" von Asylwerbern auf dem Arbeitsmarkt nichts entgegensetzt werde, sagte Christian Friesl, IV-Bereichsleiter für Gesellschaftspolitik. Legal arbeiten dürften Flüchtlinge praktisch nicht: "Asylwerber sollen befristete Arbeitsbewilligungen erhalten, die im Fall eines negativen Ausgangs ihres Asylverfahrens wieder ungültig werden", forderte Friesl.

Tatsächlich ist die Lage der derzeit rund 30.000 Asylwerber von Widersprüchen geprägt: Einerseits öffnet ihnen das Ausländerbeschäftigungsgesetz den Zugang zum Arbeitsmarkt bereits nach drei Monaten - und entspricht damit den EU-Vorgaben. Aber ein Erlass von Arbeitsminister Martin Bartenstein (ÖVP) aus dem Jahr 2004 schränkt die erlaubten Tätigkeiten auf kontingentierte Ernte- und Saisonarbeit ein. "Österreich ist hier liberaler als viele andere EU-Staaten", heißt es dazu aus dem Büro Bartenstein. (bri, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.4.2008)

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